Hautpilze

Hautpilze befallen immer mehr Kinder

Übeltäter sind fast überall / Am Turngerät, Spielkamerad, Meerschweinchen...

WIESBADEN – Jahrelang schien Ruhe an der Pilzfront zu herrschen, doch nun mausern sich Dermatomykosen gerade bei Kindern zum handfesten Problem. Die Erreger schnappen sie sich in der Turnhalle an Sportgeräten oder direkt von Spielkameraden auf. Manchmal stammt der Pilz auch aus dem Fell von Katze oder Meerschweinchen. Verursacht wird eine Pilzerkrankung bei Kindern oft durch Dermatophyten-Erreger, die bei Temperaturen über 35’C schlecht existieren können und deshalb Schleimhäute und innere Organe in Ruhe lassen. Auf der Haut und auf Kinderköpfen gedeihen sie dagegen prächtig, berichtet Privatdozent Dr. Hans Jürgen Tietz. Die Übeltäter sind anthropophile oder zoophile Dermatophyten, die beispielsweise von Haus- und Bauernhoftieren stammen können, aber auch von zweibeinigen Spiel- und Sportkameraden oder von Familienangehörigen.

 

Gladiatoren-Pilze auch bei Hobbysportlern

Ganz oben auf der Hitliste anthropophiler Erreger steht derzeit Trichophyton tonsurans, das von Ringern aus den USA wiedereingeschleppt wurde und das Krankheitsbild mit dem wohlklingenden Namen "Tinea corporis gladiatorum" hervorruft. Inzwischen macht der Erreger nicht nur in der Ringer-Bundesliga seine Runde, sondern auch bei weniger prominenten Hobbysportlern. T. rubrum und E. floccosum sind weitere Dermatophyten, die man sich in der Regel von Zweibeinern holt. Zur Bereicherung des Erregerspektrums trägt in Großstädten T. violaceum bei, ein Keim, der oft von afrikanischen Kindern "mitgebracht" wird.

 

Süsse Haustiere als Pilzheimat

Neben diesen anthropophilen Erregern boomen seit ein paar Jahren auch zoophile Dermatophyten, die man bei entsprechendem Tierkontakt z.B. als unliebsames Souvenir von Urlaubsreisen in südliche Länder mitbringen kann. Auch wer Tiere auf dem Bauernhof streichelt oder ein Meerschweinchen oder eine Katze besitzt, hat keine schlechten Chancen für einen Hautpilz. Doch Vorsicht: zoophile Dermatophyten sind grundsätzlich hochinfektiös und von obligater Pathogenität, warnt Dr. Tietz. Man schnappt die Erreger ruckzuck auf, bekommt sie aber nur mühsam wieder los. Deshalb ist eine Expositionsprophylaxe natürlich der beste Schutz. Befallene Tiere müssen behandelt und so als Infektionsquelle ausgeschaltet werden. Im übrigen sollte man nicht jede dahergelaufene Katze streicheln. Die Befunde sind oft schon so ausgedehnt, daß man an einer systemischen Behandlung nicht vorbeikommt. Bei zoophilen Erregern empfiehlt Dr. Tietz z.B. Griseofulvin (20mg/kgKG) oder, falls dieses etwa wegen Nebenwirkungen oder langer Therapiedauer (behaarter Kopf) nicht infrage kommt, Fluconazol (2mg/ kgKG). Ist der Hautpilz durch anthropophile Dermatophyten bedingt, reichen 10mg/kgKG Griseofulvin oder 1mg/kgKG Fluconazol. Eine zusätzliche Lokalbehandlung z.B. mit Ciclopiroxolamin verkürzt die Behandlungsdauer und schützt Schul- und Spielkameraden vor Ansteckung. Die Kinder können dann umgehend wieder Schule oder Kindergarten besuchen, versichert Dr. Tietz.

Gut zu erkennen ist ’Pichophyton tonsurans auf Hals und Schulter

 dieses jungen Mannes. Der Erreger befällt übrigens nicht nur Profi-Athleten,

 sondern auch Schul- und Freizeitsportler.

Quelle:  Zeitschrift Apotheken Praxis Nr. 7 / Montag 29.März 1999